re.corder – elektronisch erweiterte akustische Blockflöte

Der re.corder von Artinoise ist eine elektronisch erweiterte Blockflöte, die akustisch einen Ton von sich gibt, aber auch Elektronik verbaut hat, wodurch Software-Instrumente über Bluetooth-MIDI gesteuert werden können. 

Artinoise bezeichnet seinen re.corder als "erweiterte" Blockflöte. Es ist somit ein Hybrid-Instrument, denn der re.corder ist eine "richtige", akustisch klingende Sopranblockflöte in C, die aber elektronisch ergänzt wird. Der re.corder enthält nämlich eine interne Elektronik, die man ein- oder ausschalten kann. So lässt sich das Instrument mit einer App verbinden bzw. als Bluetooth-MIDI-Controller nutzen.

Aktuell hat meines Wissens nur Thomann den Artinoise re.corder im Sortiment*
tan

Bei eingeschalteter Elektronik und verbundener re.corder-App kann man zum Beispiel zu einer Partitur mitspielen, also zusammen mit dem Klang vieler anderer Instrumente, oder gemeinsam mit einem virtuellen Lehrer oder mit Freunden, die mit demselben Tablet bzw. Smartphone verbunden sind. Das Instrument lässt sich im Grundsatz auch als MIDI-Controller auf jeder Plattform nutzen, die mit MIDI über BLE (Bluetooth Low Energy) kompatibel ist.

Drei Spielmodi beim re.corder von Artinoise

Die Kombination von akustischem und elektronischen Instrument im re.corder ermöglicht somit drei Spielvarianten:

  1. Als klassische Blockflöte – ganz traditionell akustisch und analog, ohne Verbindung zu einer App und ohne dass eine Batterie dazu nötig ist. Den akustische Klang empfand ich jetzt nicht als herausragend, aber das Instrument klingt eindeutig nach Blockflöte.
  2. Als klassische Blockflöte mit gleichzeitig digitalem Sound – man kann den re.corder beim Spielen mit der App verbinden und die Tonausgabe der App über Kopfhörer oder (externen) Lautsprecher ausgeben. So ist das gleichzeitige akustische Spielen zusammen mit Sound aus der App möglich. 
  3. Als MIDI-Instrument – der re.corder lässt sich auch als Bluetooth-MIDI-Controller einsetzen, um Softwareinstrumente zu steuern; unabhängig davon, ob dies Blas-, Streicher-, Holz-, Keyboard-, Perkussions- und synthetischen Klänge sind. Dies funktioniert mit der App von Artinoise und im Prinzip auch mit jedem anderen Gerät bzw. jeder anderen Software, die MIDI über Bluetooth unterstützt.

Barocke Griffweise als Standard

Der re.corder baut auf der barocken Griffweise auf. Die Grundtonleiter ist somit mit allen wichtigen Halbtönen mithilfe von Gabelgriffen spielbar, also ohne einzelne Löcher halb abdecken zu müssen. Bei den C-, D- und den Daumenlöchern gibt es allerdings zwei Löcher, um dennoch das halbe Abdecken von Löchern zu simulieren und einen Oktavwechsel zu ermöglichen.

Über die App zum re.corder lässt sich der Fingersatz auch wechseln oder selbst konfigurieren.

recorder vs artinoise re.corder

Bild: Der Artinoise re.corder im Vergleich zu meiner alten Kinderblockflöte.

Sensoren beim re.corder 

Der re.corder hat erstaunlich viele Sensoren verbaut, die wichtig sind, um die elektronischen Erweiterungen der Blockflöte nutzen zu können.

Blas- und Lippensensor

Wie bei einem traditionellen Blaswandler ist auch beim re.corder ein Blassensor eingebaut, der misst, wie stark du in das Instrument bläst. So lässt sich ein Piano oder ein Forte erzeugen. Im Mundstück gibt es zudem einen Lippensensor, wodurch das Instrument erkennt, ob du spielbereit bist oder nicht.

Bewegungssensor für Effekte

Ebenfalls im re.corder verbaut ist ein Bewegungs- bzw. Beschleunigungssensor, der erkennt, wenn du das Instrument bewegst. Dies eröffnet die Möglichkeit, Effekte durch Bewegung auszulösen, zum Beispiel ein Vibrato.

Berührungsempfindliche Tonlöcher

Schliesslich sind die Tonlöcher (bzw. die Ränder der Löcher) berührungsempfindlich, wodurch das Instrument die Fingerposition erkennt. Damit wird es zum Beispiel möglich, beim Üben eines Musikstücks mit der App falsch gespielte Noten rot anzuzeigen.

Anschlüsse und Batterie beim re.corder

Anschlüsse gibt es beim re.corder nur einen, nämlich einen USB-Anschluss, der dazu dient den internen Akku aufzuladen. Mit anderen Worten: Der re.corder unterstützt kein MIDI über USB. Wenn du das Instrument als MIDI-Controller verwenden willst, geschieht dies über die Bluetooth-Schnittstelle. 

Aufladen kannst du die Batterie über das mitgelieferte USB-Kabel, das du entweder an den PC/MAC oder mit einem Steckdosenadapter an die Steckdose anschliesst. Während des Aufladevorgangs leuchtet eine der drei Leuchtdioden auf der Vorderseite des re.corders rot. Nach spätestens 2 Stunden ist der Artinoise re.corder laut Bedienungsanleitung aufgeladen.

Lautloses Üben mit dem re.corder

Weil der re.corder kein rein elektronisches, sondern auch ein akustisches Instrument ist, liegt die Vermutung nahe, dass man damit nicht lautlos üben kann – weit gefehlt, auch dafür bietet Artinoise eine Lösung: Der Aufschnitt (das Loch auf der Vorderseite des Blockflötenkopfes) lässt sich mit einem Plastikteil) zustöpseln. Akustisch hört man das Instrument dann nicht mehr, wenn man über die App mit angeschlossenem Kopfhörer übt.

recorder mute plug web2

Bild: re.corder mit eingesetztem Mute-Stöpsel (oben) und mit entferntem Mute-Stöpsel (unten).

Wer auch das Luftgeräusch vermeiden will, das beim Reinblasen mit zugestöpseltem re.corder hörbar ist, kann ganz auf das Blasen verzichten. Dank den berührungsempfindlichen Tonlöchern lassen sich elektronische Klänge steuern, ohne Blasen zu müssen. 

App-Funktionen beim re.corder

Die kostenlose App zum re.corder enthält drei Hauptfunktionen: 
- Lernen
- Spielen
- Duo

Lernen mit der Artinoise-App

Unter der Lernfunktion findest du einige wenige gespeicherte Stücke, die du spielen kannst. Dazu wählst du zuerst einen Instrumentenklang aus (Blockflöte, Klarinette, Orgel etc.) und dann kannst du das Playback des Stückes starten und die Melodie mitspielen. Die App erkennt, wenn du einen Ton falsch spielst und zeigt dies in einer Zeitleiste rot an. Am Ende des Stückes erhältst du Punkte für deine Leistung. Mit zunehmender Punktzahl steigst du auf von Level 1 auf Level 2 usw. Mit steigendem Level schaltest du dann neue Stücke mit höherem Schwierigkeitsgrad frei.

Dieses Level-System finde ich eine ausgesprochen gute Idee, denn so wird man motiviert zu üben, um im Level aufzusteigen und weitere Stücke freizuschalten. Allerdings ist die Musikbibliothek erst sehr klein. Aktuell (November 2021) gibt es nur 9 sehr kurze Stücke, die ich innerhalb von 20 Minuten gemeistert hatte und dabei auf Level 4 aufgestiegen bin. Hier muss Artinoise auf jeden Fall noch nachbessern. Ich hoffe sehr, dass mit der Zeit laufend neue Stücke hinzukommen, sonst wird viel Potenzial verschenkt, welches dieses Instrument von anderen Blaswandlern abhebt.

Spielen mit der Artinoise-App

Bei der Spielfunktion wählst du einfach einen Klang aus und kannst dann spielen, was du willst. Zur Auswahl stehen im Moment 24 Sounds in der App (Stand November 2021).

Duo-Funktion in der App

In der Duo-Funktion kann man einen zweiten re.corder mit der App verbinden, um gemeinsam zu spielen. Das ist zum Beispiel sinnvoll, wenn ein Lehrer zusammen mit dem Schüler spielt. Testen konnte ich das nicht, weil ich nur einen re.corder besitze.

re.corder-App herunterladen

Herunterladen kannst du die App u. a. bei Google Play oder im AppStore:

Bluetooth beim Artinoise re.corder teilweise instabil

Das grösste Problem sehe ich bei der Bluetooth-Verbindung, denn diese ist zentral, um mit dem Instrument Spass zu haben. Meine erste Erfahrungen hierzu sind durchzogen:

  • Bei mir hat es zuerst lange gedauert, bis die Verbindung zwischen der Artinoise-App und dem re.corder hergestellt war. Und bei der Registration ist die App beim ersten Mal abgestürzt. Beim zweiten Mal hat es dann geklappt, wobei ich nicht herausgefunden habe, welches meine Seriennummer ist, die ich eingeben sollte. Die Registration war aber auch ohne diese Nummer möglich.
  • Nachdem ich die Registration hinter mich gebracht hatte, funktionierte der re.corder dann völlig problemlos mit der Artinoise-App. Beim Herstellen der Verbindung braucht man zwar weiterhin etwas Geduld, ist die Verbindung aber einmal vorhanden, bleibt sie stabil und trübt das Spielen mit der App in keinster Weise.
  • Die Bluetooth-Verbindung mit BandLab konnte ich hingegen nicht herstellen, um den re.corder damit zu testen. Obwohl alle meine Geräte (Tablet/Smartphone) den re.corder erkannt haben, ging die Verbindung jeweils nach wenigen Sekundenbruchteilen sofort wieder verloren.

Diese Erfahrungen bestärken mich einmal mehr in meiner Haltung, dass MIDI über Bluetooth keine gute Lösung ist: Je nach Gerät (Tablet/Smartphone) gibt es Verbindungsprobleme oder die Latenz kann zum Problem werden. Bei meinen ersten Tests in der Artinoise-App mit dem re.corder war Letzteres allerdings kein Thema. Die Latenz war auch bei schnellem Spielen nie spürbar.

Artinoise re.corder in verschiedenen Farben

Der Artinoise re.corder ist in verschiedenen Farben erhältlich. Bei Thomann gibt es ihn zurzeit in Rot, Blau, Schwarz und Weiss. Ich habe meinen re.corder in Schwarz gekauft – ein "Fehler", denn man sieht sofort fettige Fingerabdrücke, wenn ich das Instrument nicht mit 100 % sauberen Fingern in die Hand nehme. Eine andere Farbe als Schwarz dürfte wohl weniger heikel sein, was die Fingerabdrücke anbelangt.

Den Artinoise re.corder gibt es bei Thomann in verschiedenen Farben*
tan

 

Fazit zum Artinoise re.corder: günstige Hybrid-Blockflöte für Einsteiger und Anfänger

Der re.corder bietet aus meiner Sicht erstaunlich viele Funktionen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Instrument für Kinder, die Blockflöte lernen (müssen 😃), zur Motivation beim Üben beitragen kann. Die elektronischen Erweiterungen erhöhen eindeutig den Spassfaktor, insbesondere die Lernen-Funktion mit dem Levelaufstieg. Allerdings ist das Angebot in der Artinoise-App aktuell noch (zu) dürftig. Auch empfand ich den re.corder im Akustikmodus etwas schwieriger zu spielen als meine Blockflöte, insbesondere die "Doppellöcher" des rechten kleinen Fingers fand ich nicht ideal platziert. Allerdings sind meine aktiven "Blockflötenzeiten" schon drei Jahrzehnte her ...

Wer mit dem Gedanken spielt, einen Blaswandler zu kaufen, aber sich sehr unsicher ist, ob er damit Spass hat, findet im re.corder für unter 200 Euro ein günstiges Einsteigerinstrument, um ein elektronisches Blasinstrument auszuprobieren. Die MIDI-Funktion mit der Artinoise-App hat bei mir gut funktioniert. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass MIDI über Bluetooth durchaus "Problempotenzial" bei der Verbindung oder aufgrund der Latenz hat, sofern man das Instrument mit anderen Software-Synthesizern verwenden will.

Wer einen ausgereiften Blaswandler erwartet, sollte die Finger vom re.corder lassen, denn das ist diese elektronische Blockflöte nicht. In diesem Fall würde ich eher zu einem günstigen EWI oder Aerophone greifen.

Weitere Informationen findest du auf der Herstellerwebsite: www.recorderinstruments.com.